Börsenstrom vs. Standardtarif

Börsenstrom vs. Standardtarif

Die Schwankungen an der Börse können beängstigend sein, doch es gibt Möglichkeiten, sie zu nutzen. ETF-Anleger haben es schon lange verstanden, aber nun können auch Verbraucher von den Volatilitäten profitieren. Ein innovativer Ansatz besteht darin, Strom nicht mehr zu einem festen Monatspreis zu beziehen, sondern die Börsenpreise zu nutzen.

Ein dynamischer Stromtarif soll nicht nur den Geldbeutel, sondern auch die Umwelt schonen. Doch der Wechsel ist nicht immer vorteilhaft, und unachtsame Verbraucher könnten am Ende sogar mehr zahlen als im Standardtarif.

Ähnlich wie beim Kauf von Milch gibt es für Stromanbieter zwei Bezugsquellen: direkt vom Erzeuger oder über die Energiebörse. Die EPEX Spot der European Energy Exchange (EEX) in Paris ist der Marktplatz, auf dem Anbieter und Käufer die Stromlieferungen für den nächsten Tag verhandeln.

Der entstehende Marktpreis basiert auf Angebot und Nachfrage. Während herkömmliche Stromanbieter einen festen Standardpreis anbieten, zahlen Kunden mit einem dynamischen Tarif den aktuellen Börsenpreis pro Kilowattstunde.

Da der Börsenstrompreis starken Schwankungen unterliegt, kann er über oder unter dem üblichen Grundpreis liegen. Obwohl zusätzlich Netzentgelte, Steuern und Gebühren anfallen, lassen sich theoretisch an der Energiebörse Schnäppchen machen – vorausgesetzt, man hat das richtige Timing.

Börsenstrom vs. Standardtarif

Das Timing ist entscheidend, ebenso wie die Nachfrage zu bestimmten Tageszeiten. In der Regel ist der Börsenpreis nachts niedriger, da der Strombedarf geringer ist. Krisen und Engpässe können jedoch dazu führen, dass die Preise über Monate oder Jahre hoch bleiben.

Nutzer eines dynamischen Stromtarifs müssen die günstigen Momente an der Börse nutzen, etwa mit Hilfe von Apps wie Tibber, die den aktuellen Einkaufspreis in Echtzeit anzeigen.

Bevor man von einem festen zu einem dynamischen Tarif wechselt, ist eine genaue Messung des Stromverbrauchs erforderlich, am besten mit einem Smart Meter. Die Kosten für die Installation sind seit Anfang 2020 gedeckelt. Ob sich die Umstellung finanziell lohnt, hängt von vielen Faktoren ab.

Ein schlechtes Timing kann die Kosten erhöhen. Generell gilt: Je höher der Verbrauch und je flexibler der Haushalt, desto eher lohnt sich ein dynamischer Tarif. Besitzer von E-Autos oder Wärmepumpen können durch gezielte Nutzung zu bestimmten Tageszeiten tatsächlich sparen.

Börsenstrom vs. Standardtarif

Ein dynamischer Tarif erfordert jedoch Engagement, da die Börsenpreise regelmäßig überwacht werden müssen. Für Verbraucher, die lieber planen und feste Preise bevorzugen, mag dieser Ansatz weniger geeignet sein. Ein Wechsel kann sich vor allem bei hohem Verbrauch lohnen, da selbst der niedrigste Spotmarktpreis sonst nur geringe Ersparnisse bringt.

Es könnte jedoch rentabler sein, den Stromanbieter zu wechseln. Im Jahr 2024 können Kunden mit alten Verträgen immer noch hohe kWh-Preise zahlen, während Neukunden Mitte Februar im Schnitt nur 31% für die Kilowattstunde bezahlen.

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