Deutsche Unternehmen setzen auf Polen als strategischen Standort

Mit bereits fast 10.000 deutschen Unternehmen, die ihre Geschäfte in Polen betreiben, ist die Zahl ständig im Steigen. Die Beweggründe hierfür reichen von einer geringeren Steuerlast bis hin zu einer effizienten Infrastruktur. Deutschland sieht sich dem Risiko ausgesetzt, von Osteuropa wirtschaftlich überholt zu werden.

Die polnische Wirtschaft floriert seit 1991 – unter Ausnahme des Corona-Jahres 2020 – mit stetig positiven Wachstumsraten. Auch für das aktuelle Jahr prognostizieren Experten ein Bruttoinlandsprodukt-Wachstum von 2,7 Prozent, während Deutschland mit 0,2 Prozent unter dem EU-Durchschnitt liegt. Statista zufolge wird Polen dieses Niveau auch in den kommenden Jahren beibehalten.

Die Arbeitslosenquote liegt bei niedrigen 2,7 Prozent, was 0,4 Prozentpunkte unter der deutschen Quote liegt, was auf nahezu Vollbeschäftigung hindeutet. Auch in Bezug auf die Staatsfinanzen steht Polen auf stabilen Beinen, mit einer Staatsverschuldung von rund 50 Prozent im Vergleich zu Deutschlands fast 60 Prozent in Bezug auf das BIP.

Zusammengefasst entwickelt sich Polen prächtig. Während in Deutschland Verbände, Ökonomen und Oppositionspolitiker vor einer drohenden Rezession warnen, hört man aus dem östlichen Nachbarland nur Positives.

Polen: Mehr als nur ein Niedriglohnland

Die polnische Bevölkerung hat längst mit dem Klischee der Billigarbeiter gebrochen. Wo einst Erntehelfer nach Deutschland reisten, um Geld zu verdienen, ziehen heute deutsche Fachkräfte vermehrt nach Polen. Das Gesamtpaket kann sich sehen lassen: Geringere Lebenshaltungskosten gehen mit jährlich steigenden Löhnen einher.

Auch deutsche Unternehmen haben Polen längst als strategischen Standort erkannt. Deutsche Unternehmen haben mehr als 36 Milliarden Euro in Polen investiert und beschäftigen dort etwa 430.000 Mitarbeiter.

Namhafte deutsche Unternehmen investieren in Polen

Ein Beispiel ist Miele, das bis 2027 700 Arbeitsplätze von Gütersloh nach Polen verlagert. Ein Grund hierfür ist die mangelnde Infrastruktur in Deutschland, sei es der Ausbau von 5G oder Glasfaser, die ineffiziente Deutsche Bahn oder eine wenig digitalisierte Verwaltung. Unternehmen reagieren auf Anreize und haben das Ziel, zu wachsen – eine Qualität, die Deutschland in den letzten Jahren verloren zu haben scheint.

Auch Bosch hat dies erkannt und kündigte kürzlich an, 250 Millionen Euro in ein Wärmepumpen-Werk in Dobromierz zu investieren. Genau wie Mercedes-Benz, das in Polen Elektrotransporter mit einer Investition von mehr als einer Milliarde Euro produzieren wird. Der Online-Händler Zalando plant den Bau von zwei Logistikzentren mit 4.000 Mitarbeitern in Bydgoszcz. Bosch, Mercedes und Zalando sind nur drei von über 9.500 Firmen, die in Polen Niederlassungen betreiben. Und ihre Zahl nimmt stetig zu.

Polen wird Deutschland wirtschaftlich überholen

Auch die geringere Steuerlast spricht für das osteuropäische Land. Während Unternehmen in Deutschland fast 30 Prozent an den Staat abführen müssen, sind es laut Statista in Polen lediglich 19 Prozent. Zudem hat Polen keine Probleme mit Integrationsfragen, da nur wenige Menschen aus dem arabischen und afrikanischen Raum nach Osteuropa kommen.

Ganz gleich, ob es um Fachkräfte, Infrastruktur oder Steuerlast geht: Polen wird Deutschland in den kommenden Jahrzehnten überholen, sofern sich die politische Lage in Berlin nicht grundlegend ändert.

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